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Odoo 20: Angebotspositionen ohne Produkt – Einstellung, Folgen, Fallen

Freitextzeilen sind in Odoo 20 Standard. Wo die Einstellung steckt, was mit Lager, Lieferschein, Rechnung, Marge und Auswertung passiert, wo die Fallen liegen – und wann Sie besser bei echten Produkten bleiben.
6. Oktober 2026 durch
Odoo 20: Angebotspositionen ohne Produkt – Einstellung, Folgen, Fallen
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In Odoo 20 braucht eine Position im Angebot kein Produkt mehr. Man tippt einfach einen Text, eine Menge und einen Preis – so, wie man es von Rechnungen kennt.

Viele suchen dafür eine Einstellung und finden keine. Der Grund: Es gibt nichts einzuschalten. Freitextzeilen sind in Odoo 20 der Standard. Die einzige neue Einstellung bewirkt das Gegenteil – sie erzwingt wieder ein Produkt.

Wir haben die neue Verkaufs-App in einer Odoo-20-Testdatenbank mit Beispieldaten durchgespielt: vom Angebot über Lieferung und Rechnung bis zur Auswertung. In diesem Beitrag zeigen wir, wie Freitextzeilen funktionieren, was sie auslösen und was nicht, wo die Fallen liegen und wann Sie besser bei echten Produkten bleiben.

Die weiteren Neuerungen rund um Angebote und Aufträge haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Odoo 20 Verkauf: Die wichtigsten Neuerungen bei Angeboten und Aufträgen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Keine Einstellung nötig: Positionen ohne Produkt sind in Odoo 20 sofort möglich. Die neue Option „Obligatorisches Produkt“ schaltet das wieder ab.
  • Ein Feld für alles: Produkt und Beschreibung stehen in einer Spalte. Passt der getippte Text zu einem Produkt, schlägt Odoo es vor. Ohne Auswahl bleibt es Freitext.
  • Freitext bewegt nichts: keine Lagerbewegung, keine Position im Lieferschein, keine Bestellung beim Lieferanten, kein Fertigungsauftrag, kein Projekt.
  • Buchhaltung mit Standardwerten: Steuer aus der Unternehmensvorgabe, Erlöskonto aus dem Verkaufsjournal.
  • Marge und Auswertung leiden: Ohne Kosten zählt eine Freitextzeile als 100 % Marge. In Produktauswertungen erscheint sie unter „Keine“.
  • Größte Falle: Wer im Angebot die erste Zeile einer Produktposition ändert, löst die Position vom Produkt – der Preis fällt auf 0,00 €.

Wo ist die Einstellung für Positionen ohne Produkt?

Unter Verkauf → Konfiguration → Einstellungen → Angebote & Aufträge steht die neue Option „Obligatorisches Produkt“. Sie ist standardmäßig ausgeschaltet. Genau deshalb sind Freitextzeilen erlaubt.

Verkauf › Einstellungen › Angebote & Aufträge

Wer die Option aktiviert, bekommt das Verhalten früherer Versionen zurück: Jede Position braucht ein Produkt. Bestehende Freitextzeilen in alten Aufträgen bleiben dabei unverändert.

Eine zweite Stelle ist für Freitext wichtig: Unter Rechnungsstellung → Abrechnungspolitik legen Sie fest, ob Positionen ohne Produkt nach bestellter oder nach gelieferter Menge abgerechnet werden. Bei Produkten kommt diese Regel aus dem Produkt, bei Freitext aus dem Unternehmen.

Verkauf › Einstellungen › Rechnungsstellung

Praxis-Tipp: Steht die Abrechnungspolitik auf „Gelieferte Mengen“, müssen Sie bei Freitextzeilen die gelieferte Menge im Auftrag von Hand eintragen. Sonst wird die Position nie abrechenbar.

So arbeiten Sie mit Freitextzeilen

Die Positionsliste hat in Odoo 20 keine eigene Produktspalte mehr. Stattdessen gibt es eine Spalte Beschreibung. Dort tippen Sie einfach los.

Ein Feld für Produkt und Beschreibung
  • Passt der Text zu einem Produkt, erscheint ein Vorschlag. Mit Enter übernehmen Sie das Produkt samt Preis, Steuer und Lagerbezug.
  • Passt der Text zu keinem Produkt oder schreiben Sie einfach weiter, bleibt die Zeile ein Freitext. Menge und Preis tragen Sie selbst ein.

Beides lässt sich im selben Angebot mischen. In unserem Beispiel stehen ein Bürostuhl aus dem Artikelstamm, eine Sonderanfertigung und eine Montagepauschale untereinander:

Produkt- und Freitextzeilen im selben Angebot

Auf den ersten Blick sehen alle drei Zeilen gleich aus. Den Unterschied erkennen Sie am Lagersymbol neben der Menge – und an der Marge: 79 % für das ganze Angebot, weil die beiden Freitextzeilen keine Kosten haben.

Die größte Falle: den Produktnamen überschreiben

Das neue Eingabefeld ist bequem, hat aber eine Eigenheit. Die erste Zeile einer Produktposition ist der Produktname. Ändern Sie in einem Angebot diese erste Zeile, löst Odoo die Position vom Produkt. Aus der Produktzeile wird eine Freitextzeile.

Wir haben an „Bürostuhl ErgoPro“ einfach „in Rot“ angehängt. Das Ergebnis:

Achtung: erste Zeile einer Produktposition geändert
  • Der Produktbezug ist weg – und damit Lieferung, Verfügbarkeitsanzeige und Produktauswertung.
  • Der Preis fällt auf 0,00 €. Der Angebotswert sinkt in unserem Beispiel von 8.730 € auf 5.240 €.
  • Die Kosten des Produkts bleiben in der Zeile stehen. Die Marge ist damit doppelt verfälscht.

Richtig ist: Zusatzinformationen gehören in die zweite Zeile. Setzen Sie den Cursor ans Ende des Produktnamens, drücken Sie Enter und schreiben Sie weiter. Odoo zeigt diesen Zusatztext kursiv an. Produkt, Preis und Lagerbezug bleiben erhalten.

Richtig: Zusatzinfos ab der zweiten Zeile

Gut zu wissen: In einem bereits bestätigten Auftrag passiert das nicht. Dort können Sie die Beschreibung ändern, ohne dass der Produktbezug verloren geht. Die Falle betrifft Angebote im Entwurf – also genau die Phase, in der am meisten getippt wird.

Was eine Freitextzeile auslöst – und was nicht

Hinter einem Produkt stecken in Odoo viele Regeln: Lagerart, Routen, Steuern, Erlöskonten, Kosten, Abrechnungsregel, Projektvorlage. Eine Freitextzeile hat nichts davon. Odoo greift deshalb auf Standardwerte des Unternehmens zurück oder tut gar nichts.

ThemaFreitextzeile in Odoo 20
Lager & LieferungKeine Lagerbewegung, keine Position im Lieferschein, keine Verfügbarkeitsprüfung.
Einkauf, Fertigung, ProjektKeine Bestellung beim Lieferanten, kein Fertigungsauftrag, kein Projekt und keine Aufgabe.
EinheitAutomatisch „Einheit(en)“.
PreisManuell. Preislisten greifen nicht. Bei einem Preislistenwechsel bleibt der Preis stehen.
SteuerStandard-Verkaufssteuer des Unternehmens, angepasst über die Steuerposition des Kunden. Abweichende Sätze (z. B. 7 %) müssen Sie selbst setzen.
Gelieferte MengeWird von Hand im Auftrag gepflegt.
AbrechnungNach der „Abrechnungspolitik“ des Unternehmens.
ErlöskontoStandardkonto des Verkaufsjournals – im SKR03 typischerweise 8400.
Kosten & MargeEinzelkosten 0 € und damit 100 % Marge – außer Sie tragen die Kosten selbst ein.
AnalytikProduktbezogene Regeln für die Kostenstellen-Verteilung greifen nicht.
AuswertungIn der Verkaufsanalyse unter dem Produkt „Keine“.
KundensichtIm PDF und im Kundenportal kein Unterschied zu einer Produktzeile.

Lieferung: nur das Produkt geht auf die Reise

Nach der Bestätigung unseres Auftrags erzeugt Odoo einen Lieferauftrag. Darin steht ausschließlich der Bürostuhl. Sonderanfertigung und Montagepauschale tauchen weder im Lager noch auf dem Lieferschein auf.

Lieferung zum Auftrag mit Freitextzeilen

Wenn die Sonderanfertigung also tatsächlich ausgeliefert wird, weiß das Lager davon nichts. Für Ware, die physisch bewegt wird, ist eine Freitextzeile deshalb ungeeignet.

Rechnung: Standardkonto statt Produktkategorie

Die Rechnung übernimmt alle Zeilen. Produktzeilen buchen auf das Erlöskonto ihrer Produktkategorie, Freitextzeilen auf das Standardkonto des Verkaufsjournals. In unserer Testdatenbank mit SKR03 landen beide auf 8400 Erlöse 19 % USt.

Rechnung aus dem Auftrag

Solange Sie nur ein Erlöskonto nutzen, fällt das nicht auf. Trennen Sie aber Erlöse nach Waren, Dienstleistungen, Steuersätzen oder Ländern, steuert bei Freitext niemand mehr das richtige Konto. Dann muss jemand in der Rechnung nachkorrigieren.

Ein Detail für die Buchhaltung: In den Buchungszeilen steht bei Produktzeilen nur noch der Zusatztext als Beschreibung, der Produktname steckt im Feld „Produkt“. Wer Buchungstexte exportiert, sollte das prüfen.

Marge: Freitext richtig kalkulieren

Ohne Kosten rechnet Odoo jede Freitextzeile mit 100 % Marge. Das verfälscht die Marge im Angebot und später in der Auswertung.

Die Lösung ist in Odoo 20 bequem: Blenden Sie über das Spalten-Symbol die Spalten Einzelkosten und Marge (%) ein. Tragen Sie die Kosten ein, zum Beispiel den Einkaufspreis beim Schreiner. Danach geben Sie Ihre Zielmarge ein – Odoo rechnet den Verkaufspreis zurück.

Freitext kalkulieren: Einzelkosten plus Zielmarge

Bei 2.900 € Kosten und 40 % Zielmarge ergibt das 4.833,33 €. Odoo zeigt den Preis mit sechs Nachkommastellen an. Runden Sie ihn auf einen sauberen Angebotspreis.

Hinweis: Das Margenfeld erscheint erst, wenn die Zeile einen Preis hat. Tragen Sie also zuerst einen vorläufigen Preis ein, dann die Zielmarge.

Auswertung: Was steckt hinter „Keine“?

In der Verkaufsanalyse gruppiert nach Produkt sammelt Odoo alle Freitextzeilen unter „Keine“. In unseren Testdaten sind das 7.870 € von 20.804 € Umsatz – fast 40 %, über die eine Produktauswertung nichts sagt.

Verkauf › Berichtswesen › Verkauf (Pivot)

Neu in Odoo 20 ist die Gruppierung „Name der Auftragszeile“. Damit sehen Sie, welche Texte sich hinter „Keine“ verbergen. Das ist ein guter Kontrollbericht: Taucht derselbe Freitext immer wieder auf, sollte daraus ein Produkt werden.

Und wenn Sie Freitext verbieten?

Mit aktivierter Option „Obligatorisches Produkt“ wird das Feld wieder zu einem reinen Produktfeld. Tippt jemand einen Text, der zu keinem Produkt passt, bietet Odoo an, daraus ein neues Produkt anzulegen.

Mit „Obligatorisches Produkt“

Das ist der Grund, warum Odoo den Freitext eingeführt hat: In vielen Datenbanken entstehen so mit der Zeit Hunderte Einmal-Artikel wie „Sonderanfertigung Regal“. Ein Verbot ohne passende Sammelprodukte verschiebt das Problem nur in den Artikelstamm.

Eine Beobachtung aus dem Test: Verlässt man eine neue Zeile, ohne ein Produkt zu wählen oder anzulegen, verwirft Odoo die Zeile beim Speichern kommentarlos.

Unsere Empfehlung: Wann Freitext – und wann nicht?

Freitext ist kein Ersatz für einen guten Artikelstamm. Er ist ein Werkzeug für das, was wirklich einmalig ist. Unsere Faustregel:

Was Sie auswerten, buchen oder bewegen wollen, braucht ein Produkt.

Freitext ist sinnvoll für …

  • echte Einzelstücke und Sonderanfertigungen ohne Lager,
  • einmalige Pauschalen, etwa Entsorgung oder Anfahrt, wenn sie nicht separat ausgewertet werden,
  • frühe Angebote mit Grobkalkulation, bevor feststeht, was geliefert wird,
  • Dienstleister mit sehr individuellen Leistungsbeschreibungen, die mit einem Erlöskonto und einem Steuersatz arbeiten.

Bleiben Sie bei Produkten für …

  • alles, was gelagert, eingekauft, gefertigt oder geliefert wird,
  • Leistungen, die ein Projekt, Aufgaben oder Zeiterfassung auslösen sollen,
  • Positionen mit abweichendem Steuersatz oder eigenem Erlöskonto,
  • alles, was regelmäßig vorkommt und ausgewertet werden soll – auch wenn der Text jedes Mal etwas anders lautet,
  • Preise, die über Preislisten gesteuert werden.

Der Mittelweg: Sammelprodukte

Müssen Sie Freitext immer mit Produkten kombinieren? Technisch nicht. In der Praxis bewährt sich ein Mittelweg: Legen Sie für jede Erlösart ein Sammelprodukt an, zum Beispiel „Sonderanfertigung“, „Montage pauschal“ oder „Fremdleistung“. Diese Produkte tragen Steuer, Erlöskonto, Analytik und bei Bedarf die Projektlogik. Die individuelle Beschreibung schreiben Sie in die zweite Zeile.

So bleibt die Eingabe so flexibel wie beim Freitext, und Buchhaltung und Auswertung stimmen trotzdem. Soll eine Position auf dem Lieferschein erscheinen, ohne dass Sie Bestand führen, eignet sich ein Sammelprodukt vom Typ „Güter“ ohne Bestandsverfolgung.

Spielregeln für Ihr Team

  1. Erste Zeile einer Produktposition nie überschreiben, Zusatztext ab Zeile 2.
  2. Bei jeder Freitextzeile die Einzelkosten eintragen.
  3. Steuersatz bei Freitext prüfen, wenn nicht der Standardsatz gilt.
  4. Einmal im Monat die Verkaufsanalyse nach „Keine“ und „Name der Auftragszeile“ ansehen und wiederkehrende Texte in Produkte überführen.

Checkliste: Freitext in Odoo 20 einführen

  1. Bewusst entscheiden: Freitext erlauben, mit Sammelprodukten kombinieren oder über „Obligatorisches Produkt“ verbieten.
  2. Abrechnungspolitik prüfen: Sie gilt für alle Positionen ohne Produkt.
  3. Team schulen: erste Zeile einer Produktposition nicht überschreiben, bei Freitext die Einzelkosten eintragen.
  4. Buchhaltung einbinden: Erlöskonten und Steuersätze für Freitextzeilen klären, Buchungstexte in Exporten prüfen.
  5. Auswertungen anpassen: Freitextumsatz unter „Keine“ einplanen und regelmäßig nach „Name der Auftragszeile“ prüfen.
  6. Eigene Anpassungen testen: Berichte, Schnittstellen und Automatisierungen, die ein Produkt in jeder Zeile voraussetzen, scheitern sonst still.

Fazit: mehr Freiheit, mehr Verantwortung

Freitextzeilen machen das Angebotschreiben in Odoo 20 spürbar schneller – kein Dummy-Artikel, kein Umweg über den Artikelstamm.

Die neue Freiheit hat ihren Preis: Was kein Produkt hat, bewegt kein Lager, steuert kein Konto und taucht in keiner Produktauswertung auf. Wer Freitext mit klaren Spielregeln und einigen Sammelprodukten kombiniert, bekommt das Beste aus beiden Welten.

Was sich sonst im Verkauf ändert – vom Dashboard über den Brutto/Netto-Schalter bis zu Abschnittsvorlagen –, lesen Sie in unserem Überblick Odoo 20 Verkauf: Die wichtigsten Neuerungen bei Angeboten und Aufträgen.

Sie planen den Umstieg auf Odoo 20 oder möchten Ihren Verkaufsprozess darauf abstimmen? Wir prüfen mit Ihnen, wo Freitext passt und wo nicht, und richten Artikelstamm, Vorlagen und Auswertungen passend ein.


Stand: Odoo 20 Enterprise, Entwicklungsstand vom 25. September 2026, getestet am 6. Oktober 2026 in einer Testdatenbank mit Beispieldaten (SKR03).
Odoo 20 ist noch jung: Einige Beschriftungen sind noch nicht übersetzt, Funktionsumfang und Oberfläche können sich mit Updates ändern.

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